Über uns

Kirchdorf an der Krems, Oberösterreich, Austria
¡Hola chic@s! Wir haben am 13.06.2009 geheiratet! Unsere Hochzeitsseite findet ihr unter www.hochzeit.plienegger.net (Dies war ursprünglich das Tagebuch unseres Erasmus-Aufenthaltes. Jetzt sind wir wieder zuhause und posten immer wieder Neuigkeiten aus unserer Umgebung.)

Montag, Februar 12, 2007

Sonntag

Dorada (Goldbrasse)
Auch am Sonntag hatten wir kein aussergewöhnliches Programm geplant. Maria musste für ihre Prüfung am Montag lernen, Hans für Oftalmología am nächsten Samstag.
Zu Mittag ging Hans zum Markt an der Plaza del Adelantado, um Fisch für das Mittagessen einzukaufen. Er entschied sich für eine schöne, große Goldbrasse, zu der es papas arrugadas geben sollte. Den Fisch marinierte er mit Olivenöl, Weinessig, Salz, Kräutern, Pfeffer und etwas Honig. Dann wurde die "Dorada" in Folie gewickelt und kam in den Backofen.
Zum Essen kam dann auch Jeanne und befand Hans' erstes Experiment (ohne Rezept) mit so einem großen, frischen Fisch für gut.
Am Nachmittag gönnten wir uns dann eine kleine Lernpause und gingen spazieren. Anfangs scheinte noch die Sonne, und man konnte Gran Canaria so deutlich sehen wie selten zuvor. Eine halbe Stunde später war aber schon dichtester Nebel aufgezogen, und wir sahen maximal 50 Meter weit. Eigenartiges Wetter! Maria wird diesem Phänomen noch auf den Grund gehen.

Sonntag, Februar 11, 2007

Lernen, Computer

Prefacio (Vorwort)

Endlich lassen wir wieder von uns hören. Unsere lange Blog-Pause hat aber einige gute Gründe:

  1. HNO-Prüfung

  2. Windows-Absturz

  3. Abschlussarbeiten und Berichte für Maria's Lehrveranstaltungen.

Nun aber alles der Reihe nach:


Otra vez al Auditorio (Wieder einmal ins Auditorium)
A
m Mittwoch war die Welt noch in Ordnung. Vormittags wurde brav gelernt und gearbeitet und abends fröhnten wir (Jeanne, Emma, Mareike, wir beide) wieder dem kulturellen Leben Teneriffas. Im Auditorio von Santa Cruz führte das Netherlands Symphony Orchestra Werke von Dvorak, Britten, Ruiz und Stravinski auf. Besonders die Zugabe von Grieg gefiel uns sehr. Insgesamt war das Konzert etwas moderner als die vorhergehenden. Das Orchester war sehr gut, besonders der Dirigent (Gerd Albrecht) gefiel uns, weil er sich nicht in den Vordergrund drängte. Eine Überraschung – besonders für Maria – war, dass Marie Luise Neunecker die Horn-Solistin bei Brittens Serenade für Tenor, Horn und Streichorchester war. Das letzte Mal hatte sie diese Hornistin im Grazer Stephaniensaal vor rund 12 Jahren gehört, und schon damals war sie sehr gut.


Un día negro (Ein schwarzer Tag)
Am Donnerstag Vormittag haben wir Hausaufgaben für May erledigt und gelernt. Am Nachmittag hatten wir dann eben Spanisch-Kurs, wieder gemeinsam mit Anne. Es war viel Grammatik. Jeder musste eine Geschichte erzählen und die andern mussten sie dann ohne viel Denkpause in die Indirekte Rede übersetzen. Wir waren ziemlich k.o. danach. Am Abend wollten wir gemeinsam kochen, darum kauften wir noch alles mögliche Gemüse bei der Frutería ein. Und dann kamen wir nach Hause und schalteten wie üblich den Computer ein. Leider kam er beim Starten nicht sehr weit, sondern zeigte uns nur einen schwarzen Bildschirm mit den Worten: Datei system32/system ist beschädigt oder fehlt. Mist. Wir haben das gemeinsame Kochen dann abgesagt, wir wollten den Rechner so schnell wie möglich wieder zum laufen bringen. Nach einigen Recherchen im Internet stellte sich heraus, dass die Windows – Registrierung wohl kaputt geworden ist. So was kann anscheinend passieren, wenn der Computer beim Herunterfahren irgendeinen Fehler macht. Es war also nicht einmal ein Virus Schuld sondern einfach nur das blöde Windows. Hans hatte sich noch in Österreich einmal mit Linux beschäftigt und eine spanische Linux-Variante auf CD mitgenommen. Damit konnten wir feststellen, dass die Daten noch alle auf dem Computer waren. Wir konnten nur nicht darauf zugreifen. Als wir dann wenigstens den Windows-Startvorgang einleiten konnten, erwartete uns die nächste Überraschung: Plötzlich wurde ein Administrator-Passwort gefordert, dass wir nie gesetzt haben. Hans versuchte das Passwort dann mithilfe von anderen Programmen auszulesen, dabei kam heraus, dass eigentlich eh keines gesetzt war. Wie auch immer, es ging nix. Maria beschränkte sich aufs beten, während Hans wie wild am Lösung-Suchen war. Spät in der Nacht kam ihm noch die Idee eine andere Linux-Variante zu besorgen, die von der CD aus gestartet werden kann, mit deren Hilfe man aber auf die Festplatte zugreifen konnte. Die Ausführung dieses genialen Planes wurde aber auf den nächsten Tag verschoben. (Das Bett hatte natürlich auch wieder ein Loch.)

Ach ja, nicht nur wir hatten Probleme: Die Hauswirtin von Emma und David hatte ihnen das Wasser abgedreht, weil die beiden die Miete nicht bezahlt haben. Wie schon in vorhergehenden Blog-Einträgen erklärt, haben die beiden große Probleme mit ihrer Dueña (Wohnungsbesitzerin). Sie meinte zuletzt, sie behält sich die Kaution ein. Sie hatte zwar keinen triftigen Grund, aber sie behält sie sich einfach, weil was sollen zwei Ausländer schon dagegen ausrichten. Nachdem die Kaution gerade eine Monatsmiete ausmacht, haben Emma und David und auch die beiden anderen Mitbewohner (aus Bulgarien) beschlossen, die letzte Rate nicht mehr zu bezahlen. Dann sind sie sozusagen quitt. Und jetzt dreht ihnen die Vermieterin einfach das Wasser ab (ist übrigens strafbar).


¡Windows está muerto, viva Linux! o Día de la Candelaria (Windows ist tot, lang lebe Linux! oder auch Tag von Maria von Candelaria)
Am Freitag - hier war Feiertag, Día de la Candelaria (Maria von Candelaria) - führte Hans also seinen Plan aus, wobei wir netterweise den Computer von Dani, unserem Mitbewohner zu Hilfe nehmen konnten. Und tatsächlich: wir konnten schließlich alle Daten vom Rechner sichern. Kleines technisches Detail am Rande: Nachdem Knoppix (so heißt die Linux-Variante) von der CD aus lief, konnten wir ja mit unserem CD-Laufwerk die Daten nicht brennen. Da entdeckte Hans die geniale Option, Knoppix in den Arbeitsspeicher zu laden. So konnten wir die Daten direkt auf unserem Rechner brennen. Wir hatten dann nicht mehr genug DVD's um alle Daten zu sichern, aber das wichtigste hatten wir gespeichert. Nebenbei haben wir natürlich gelernt, man konnte sich nur leider nicht besonders gut konzentrieren. Maria wurde von ihren Eltern und ihrem Bruder Christian zum Namenstag gratuliert, wobei sie sich gleich ausweinen konnte. Christian erzählte eine schöne Geschichte: Als sich sein Kind im Bauch seiner Frau zu bewegen begann, legte er seinen Kopf auf ihren Bauch. Dann fühlte er, wie ihm ganz sanft etwas an seiner Wange entlang fuhr. Ist das nicht schöööön???


Ordenador, estudiar y amigos (Computer, Lernen und Freunde)
Am Samstag Vormittag marschierten wir bei wunderbar sonnigem Wetter zum AlCampo um DVDs kaufen. Dort trafen wir uns auch mit Emma, die an diesem Tag durch wundersame Weise wieder Wasser in ihrer Wohnung hatte. Wieder daheim aßen wir zu Mittag (Linsen mit Speck) und es schmeckte uns das Essen auch wieder. Am Nachmittag kam Emma zu uns, um sich Wanderkleidung auszuborgen, da sie am Sonntag den Teide besteigen wollten. Nebenbei sicherten wir weiter die Daten (es war ziemlich viel). Am Abend kamen auch noch David und Jeanne und es war recht gemütlich. Hans las sich Jeannes Arbeit durch (10 Seiten über die Definition, die Rolle und die Funktion eines Bewerters und eines Bewerteten). Irgendwie schien ihn das Thema nicht so besonders interessiert zu haben. Während des Lesens hörte man nur hin und wieder verzweifelte Schnaufer und am Ende einen Seufzer der Erleichterung.


Estudiar (Lernen)
Am Sonntag kämpfte Hans mit den günstigen DVD herum und am Ende funktionierte von 10 Stück genau eine. Sehr nervig! Ansonsten nutzten wir den Tag lernend. Am Abend ging Maria in die Kirche, vor allem um sich zu bedanken. Danach schaute sie bei Jeanne vorbei, die sie erst unter einem Berg von Zetteln, die über ihr Zimmer verteilt waren, ausgraben musste. Gemeinsam mit Sophie wollte sie noch etwas für die Uni tun und danach noch einen Film anschauen. Maria ging kurz heim um Hans etwas aufzumuntern und später gemeinsam mit ihm wieder zu Jeanne zu wandern, wo sich inzwischen Johanna auch noch dazugesellt hatte. Der Film, „Garden State“, hat uns sehr gut gefallen.
Andrew, ein erfolgloser in Hollywood lebender Schauspieler, fährt zur Beerdigung seiner querschnittsgelähmten Mutter in seine Heimatstadt. Dort holt ihn seine Vergangenheit ein, die er noch nicht wirklich aufgearbeitet hat und dort lernt er auch Sam kennen, ein Mädchen, das notorisch lügt. Ein leichter Film mit Tiefgang.


En fin, todo va bien. (Letztendlich wird alles gut.)
Am Montagvormittag fuhr Hans auf die Uni, da Arno von ihm HNO-Prüfungsfragen kopieren wollte. Danach ging's wieder einmal zum Decathlon wegen Klebstoff für's Bett und zum Alcampo wegen der Sicherungs-DVDs. So konnten wir auch endlich die Sicherung abschließen und den Laptop neu aufsetzen. Das gestaltete sich überraschend unproblematisch, obwohl wir uns entschieden hatten, die Festplatte zu partitionieren und zusätzlich zu WinXP auch Linux fix zu installieren.

(Für Interessierte: Hans hat eine relativ kleine reine Windows-Partition [ntfs] und eine ebensolche reine Linux-Partition [reiserfs] erstellt, weiters eine Linux-Auslagerungs-Partition und eine große [fat32] Partition zur gemeinsamen Verwendung. Danach wurde XP installiert und am Ende Linux. Wenn man Linux nämlich zuerst installiert und dann Windows, verhindert Windows, dass man Linux starten kann! Dazu ein kleiner Witz am Rande: Was haben Windows und ein U-Boot gemeinsam? Wenn man ein Fenster öffnet, fangen die Probleme an...)

Abends gingen wir mit Sophie, Johanna und Jeanne ins Konzert des Orquesta Sinfónica de Tenerife, für das wir wieder Freikarten hatten. Gespielt wurde „Música Masónica de Mozart“ (Mozart's Freimaurermusik). Was bei uns noch als unbestätigte Theorie gilt, ist in Spanien ein Faktum: Dass Mozart ein Freimaurer gewesen sei. Dies wurde musikalisch untermauert mit Kammermusik, die teilweise tatsächlich (Freimaurer-Kantate) und teilweise nur vermutlich (Zauberflöte) etwas mit den Freimaurern zu tun hat. In Spanien genießt diese Vereinigung offenbar hohes Ansehen, da sie am Liberalisierungsprozeß des 19. Jahrhunderts beteiligt gewesen zu sein schienen. Das Konzert hat uns jedenfalls gut gefallen, besonders die feinen Holzbläser-Stücke und der fantastische katalanische Chor. Ein Tenor-Solist war leider wegen einer Verkühlung etwas schaumgebremst. Die weiteren Solisten waren aber sehr gut.


Estudiado demasiado (zuviel gelernt)
Am Dienstag passierte eigentlich nichts Aufregegendes oder Erzählenswertes. Wir lernten beide und beschlossen schließlich, als nichts mehr in den Kopf hineingehen wollte, einen Spaziergang durch La Laguna zu unternehmen. Hans fiel ein Stein vom Herzen, als ihn Maria aufklärte, dass noch gar nicht Mittwoch war, wie er gedacht hatte. Ein Tag mehr zum Lernen!


Nada emocionante (Nichts Spannendes)
Auch der Mittwoch war ein reiner Lern- und Berichtschreib-Tag. Abends gingen wir mit Jeanne laufen, was ein guter Ausgleich war.


Examen de Otorrino (HNO-Prüfung)
Am Donnerstag hieß es für Hans früh aufstehen, denn er hatte seine HNO-Prüfung. Wie schon beschrieben, handelte es sich um eine schriftliche Prüfung (Modus Kurzantwort). In der Stunden mussten 50 Fragen beantwortet werden, was sich als ziemliche Herausforderung erwies. Viele Fragen waren sehr weitläufig gestellt oder einfach so ziemlich schwer, weil, wie schon einmal gesagt, die HNO-Professorin immer genau auf das Wort hinaus will, dass sie im Kopf hat. Vamos a ver. (Mal sehen.) Es ist jedes Ergebnis möglich, aber nach dem, was bis jetzt auch in den Erfahrungsberichten der ehemaligen Erasmus-Studenten steht, ist wohl kein allzu großartiger Ausgang zu erwarten. Aber egal, die Prüfung ist bei uns zu Hause sicher nicht so schlimm, und das Praktikum bekommt Hans auf jeden Fall angerechnet.
Zurück in der Wohnung wurde Hans von Maria mit Äpfelnockerln überrascht, und da war die Welt vorerst wieder in Ordnung.
Am Nachmittag hatten wir dann wieder einmal Sprachkurs und abends gingen wir mit Teresa (Freundin von Jeanne), deren Freund Carlos und ihrer Schwester Agnes und mit Emilio ins Restaurant Maquila, in dem wir schon einmal fast die einzigen Kunden waren. Wieder war ausser uns nur eine Familie da. Das Essen war nicht umwerfend, aber in Ordnung. Später gingen wir noch in die Blues-Bar, wo wieder sehr gute Live-Musik geboten wurde.


Nada más. (Nichts weiter. Das war's.)
Der Freitag verlief recht ruhig. Maria schrieb weiter an ihrem Endbericht für „Vulkanische Geomorphologie“ und Hans begann, sich mit den Augenheilkunde-Mitschriften zu beschäftigen. Abends ging Hans zum Hapkido und Jeanne und Maria gingen laufen. Danach schauten wir bei uns den Film „Notting Hill“ - natürlich auf spanisch. Nada más.


Murieron con calma. (Sie ließen sich Zeit zu sterben.)
Vom Samstag lohnt es sich nur, über den Abend zu berichten. Wir hatten wieder Freikarten für's Auditorio, in dem an diesem Tag das WDR-Sinfonieorchester Köln Wagner's Tristan und Isolde zum Besten gab. Das Orchester spielte zwar großartig, der Dirigent gefiel uns ausgesprochen gut und die „Isolde“ hatte eine Wahnsinns-Stimme, aber Wagner-Gesang ist einfach nichts für uns. Der Heldentenor Marke Danny de Vito (der neben der Walküren-Sopranistin ziemlich lächerlich aussah) und auch die anderen Solisten schrien, was das Zeug hielt. Die Musik ist ausser pathetisch nur pathetisch und schildert in tragischster, langatmigster Weise den langsamen (seeeeeehr langsamen!) Untergang der beiden Liebenden (Triiiiiiistaaaaan! Isooooooooooldeeeee!). Es waren zwei Pausen angesetzt und Jeanne verließ den Saal in der ersten Pause, unter anderem, weil sie vorher in der Stadt ihr Lieblings-Schlaf-T-Shirt verloren hatte (Nein, es ist natürlich nicht NUR ein Schlaf-T-Shirt!!), dass sie suchen gehen wollte. Wir (Franka, Miriam und wir beide) gaben in der zweiten Pause auf. Jetzt sind wir wieder für eine Weile geheilt von Wagner. Zu Hause entspannten wir unsere Ohren mit ein wenig spanischer Gitarren-Liedermacher-Musik, die der wahren Natur der Liebe unserer Meinung nach viel besser gerecht wird als ein 70-Mann-Orchester-50-Mann-Chor-Plus-Solisten-Wagner.